Happy Birthday, Heavy Metal!

Es ist Freitag, der 13., im Jahr 1970. Das anfängliche Kratzen auf dem Schallplattenteller weicht dem Geräusch eines beharrlichen Regengusses. Dann und wann hört man leisen Donner, während im langsamen Rhythmus eine Friedhofsglocke läutet. Auf einmal bricht die Hölle los. Ein heftiger Donnerschlag ertönt und in diesen Donnerschlag fällt ein weiterer: der erste Gitarrenriff von Tony Iommi. Drei Akkorde, tief, boshaft, bedrohlich. Und dann ertönt eine Stimme wie der Gesang gequälter Seelen im Fegefeuer: „What is this, that stands before me?“. Ein junger Kerl namens John Osbourne, alle nennen ihn nur Ozzy, wehklagt ins Mikrofon. Dazu Bass und Schlagzeug wie ein Betonfundament, betätigt von Geezer Butler und Bill Ward.

Der Urknall des Metal

Dieser Tage jährt sich zum 50. Mal: Das Erscheinen des selbstbetitelten ersten Albums von Black Sabbath. Niemand ahnte, was dieser Moment auslösen würde. Doch im Nachhinein kann man ohne Zweifel feststellen, dass es sich hierbei im die Geburtsstunde des Musikgenres Heavy Metal handelte. Denn, wie hat es Metallica-Boss James Hetfield treffend formuliert: „Jeder Riff des Hard- und Heavy Rock wurde von Black Sabbath komponiert. Manche spielen ihn schneller, manche langsamer, vorwärts oder rückwärts, aber er stammt von Black Sabbath.“

Ein Unfall kreierte den Sabbath-Sound

Dabei entstand vieles eher zufällig und improvisiert. So konnten sich Iommi und Ozzy in der Schule nicht leiden und Ozzy wurde eigentlich nur in die Band aufgenommen, weil er eine eigene Gesangsanlage hatte. Iommi verlor bei einem Arbeitsunfall zwei Fingerkuppen seiner rechten Hand. Für ihn als Linkshänder eigentlich das Ende aller Gitarrenträume. Er aber bastelte sich aus Leder künstliche Fingerkuppen, zog Banjosaiten auf seine Strat und stimmte sie so tief es irgendwie ging, damit die Saiten leichter zu greifen waren. In Iommis Autobiographie finden sich übrigens diese und noch viele andere Anekdoten.

Beiläufig kreierte er damit den düster-bedrohlichen Gitarrensound, den er auf den folgenden Alben Paranoid und Master of Reality weiter perfektionierte und der dir deineTorte vom Teller blasen konnte, ohne dass die Verstärker voll aufgedreht waren. Volume Four, Sabbath, Bloody Sabbath, Sabotage – jede andere Band wäre froh, wenn sie insgesamt so viele großartige Songs geschaffen hätte, wie Sabbath auf jedem einzelnen dieser Alben. Und nach dem drogenbedingten Ausstieg von Ozzy folgte nicht der Untergang, sondern die Band drang mit dem legendären Ronnie James Dio noch einmal in die größten Höhen musikalischer Kreativität vor.

Späte Anerkennung

Anders als die Presselieblinge Led Zeppelin musste Sabbath immer gegen erhebliche Widerstände ankämpfen. Reporter schrieben miese Kritiken über Konzerte, obwohl diese kurzfristig ausgefallen waren. Radiosender spielten 1973 das epische Sabbath, Bloody Sabbath nicht, weil das Wort „Bastards“ vorkam. Aber spätestens nachdem man sich nach vielen Irrungen und Wirrungen 1996 wieder zusammengetan hatte, wurde die Band auch in der Öffentlichkeit anders gesehen. Endlich erhielt man ein wenig der Anerkennung, die man verdiente. 2019 feierte Birmingham mit einer großen Ausstellung vier ihrer größten Söhne. In der Innenstadt gibt es nun eine Black-Sabbath-Bridge. Tony Iommi erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Coventry. Geezer Butler ist Ehrenkapitän seines Herzensvereins Aston Villa. Und warten wir ab, vielleicht heißt es bald „Sir Ozzy Osbourne“?

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